Quelle: Darmstädter Echo, 19.07.10

Punk, Metal und bedrohlich-düstere Schreie

Begeistertes Publikum beim Traffic Jam in Dieburg, wo bis spät in die Nacht harte Klänge angesagt waren.
Begeistertes Publikum beim Traffic Jam in Dieburg, wo bis spät in die Nacht harte Klänge angesagt waren.

DIEBURG. ,,Silence is over": Der Titelsong der jungen Dreieicher Gitarrenrockband ,,Inhuman" durfte auch als Motto fürs zweitägige ,,Traffic Jam" gelten, denn zur Ruhe kam man bei einem internationalen Aufgebot von 25 Gruppen kaum. Nach einmaliger Abstinenz wurde der Dieburger Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker zum elften Mal zum Festivalgelände umfunktioniert mit einem Programm von nachmittags 13 bis nachts um 2 Uhr, wo DJ Doom im Anschluss in die Regler griff.

Freitags eröffneten die Dieburger ,,Funkfragen" mit groovigen Rhythmen den Reigen. Ihre Mischung aus Funk, Soul und Rap war eher untypisch für die Auswahl der Organisatoren, die in Dieburg in bewährter Manier auf Sounds der härten Gangart setzten.

Neben Punk und Ska standen die Hardrock-Spielarten wie Metal-, Death-, Tech- und Hardcore im Mittelpunkt, wo Breaks sowie Tempowechsel den Songs einen unvorhersehbaren Schliff verleihen und der Gesang in ein bedrohlich-düsteres Schreien überschwenkt. Da verwundert es nicht, dass die Kaiserslauterer Band ,,New Year's Resolution" beim Online-Voting das Rennen machte, deren melodische Hardrockelemente ins Hysterisch-Übersteigerte umschlugen.

Stets neue Variationen bietet ,,Traffic Jam", wie die Headliner ,,The Sorrow" aus Vorarlberg mit Highspeed-Gitarreneinlagen oder die gefeierten Saarbrückener ,,His Statue Falls" mit Technoeinlagen. Sogar eine Ode an Discostar Jasmin Wagner alias Blümchen hatte die sechsköpfige Formation bei ihrem Screamo-/Techcore-Mix im Repertoire. Schon zu den Veteranen des Hardcore-Stils gehören die Darmstädter ,,47 Million Dollars". Trotz der Hitze fegte Frontmann Todd unaufhörlich über die Bühne und forderte die Fans zum Stagediving auf, wobei er noch Zeit fand, seinen Nachwuchs auf die Bühne zu holen. Wie auf der aktuellen Veröffentlichung wurden sie bei zwei Songs von Rapper ,,Mädness" unterstützt.

Die drei Skabands ,,Tequila Terminators", ,,Russkaja" und ,,Redska" verdeutlichen, dass diese vom Reggae beeinflusste Tanzmusik zuletzt verstärkt Elemente aus anderen Richtungen wie Balkanpop aufgriff. Bei ihrem Auftritt jagten die deutlich antifaschistisch ausgerichteten, italienischen ,,Redska" ein Mitglied mit Silvio Berlusconi-Maske symbolisch von der Bühne.

Auf Gitarren verzichtete die amerikanisch-norwegische Industrial-Formation ,,Combichrist", die zwar stilistisch aus dem Rahmen fiel, aber jenseits der ,,Gothic"-Anhänger ein älteres Publikum zum ,,Traffic Jam"-Besuch motivieren konnte. Ungewöhnlich an ihrem Auftritt war der Einsatz zweier Perkussionisten, die sich teils in ihren Einsätzen aufeinander abstimmten, teils gemeinsam für einen druckvollen Rhythmusteppich zu den düster-treibenden Elektrobeats sorgten.

Selbst nach dem Abtreten von ,,Combichrist" am Freitag und ,,The Sorrow" am Samstag war noch kein Ende in Sicht, wie zwei kleine Highlights der After-Show im Zelt bewiesen. Freitags sorgten die beiden tätowierten Musiker ,,Me and Mark" aus Florida für Collegerock.

Ebenso witzig fiel der samstägliche Abschluss aus: Auf den Spuren der Elektropioniere entwarf der maskierte ,,Sputnik Booster" knarrenden Konsolenpop am Gameboy und Korg-Synthesizer, während seine Freunde in selbst gebastelten, blinkenden Roboter- oder Weltraumuniformen aus Pappmaschee dazu tanzten. Mehr davon auch im nächsten Jahr, zumal solche skurrile Einlagen ebenso beim Publikum auf Zuspruch stießen.