Quelle: Darmstädter Echo, 19.07.10

Gelungene Rückkehr des ,,Traffic Jam"

Traffic Jam: Das zweitägige Open-Air-Festival in Dieburg kehrt nach einjähriger Pause zurück - 5000 Besucher

"Russkaja", erfolgreiche Ska-Band aus Österreich, zählte zu den Top-Acts vor Tausenden Zuhörern beim zweitägigen Musikfestival in Dieburg. Fotos: Karl-Heinz Bärtl
"Russkaja", erfolgreiche Ska-Band aus Österreich, zählte zu den Top-Acts vor Tausenden Zuhörern beim zweitägigen Musikfestival in Dieburg. Fotos: Karl-Heinz Bärtl

DIEBURG. Zwei Tage ,,Stau" mit Rock, Punk, Ska und Metal: Das ,,Traffic Jam"-Team meldete sich am Wochenende zurück und bescherte Musikbegeisterten zum 11. Mal in Dieburg ein Festival der guten Stimmung. ,,Wir haben uns nach dem Jahr Pause zusammengesetzt und beschlossen, es doch nochmal zu probieren", erklärt Christian Götzinger vom Organisationsteam. Der harte Kern aus 25 Leuten stellt die Veranstaltung ehrenamtlich und nicht-profitorientiert neben Studium und Job auf die Beine. Mehr als 100 Helfer sorgen für den reibungslosen Ablauf.

Die Besucher freut das Comeback auf dem Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker offensichtlich, denn sie sind dem Ruf wieder in Scharen gefolgt: 5000 gestylte Punks, schwarzgekleidete Gothics, Mädchen in Shorts und Bikinioberteilen und Jungs in Frauenkleidern ziehen ab Freitagvormittag durch das Dieburger Industriegebiet. Das sorgt für Gesprächsstoff.

,,Die gehören bestimmt zum Traffic Jam, das ist aber eigentlich immer ganz friedlich", weiß eine Supermarktmitarbeiterin einer neugierig dreinschauenden Kundin zu berichten. Das können auch die Rettungshelfer des Dieburger Johanniterverbands bestätigen, die rund um die Uhr vor Ort sind: ,,Für eine Veranstaltung dieser Größe und bei den Temperaturen ist alles im normalen Rahmen", sagt Einsatzleiter Michael Schneider. Versorgt werden müssen überwiegend Schürfwunden und Kreislaufprobleme.

Zu verdanken ist das nicht nur dem guten Miteinander der Besucher, sondern auch den vorbildlichen Sicherheitsvorkehrungen des Organisationsteams: Glas und alles, womit man sich ernsthaft verletzten könnte, ist auf dem gesamten Gelände verboten, auch hochprozentiger Alkohol wird an den Kontrollschleusen eingezogen. Da wundert es nicht, dass auch viele bedenkenlos ihre Kinder mitgebracht haben.

Der sicherlich jüngste ,,Traffic Jam"-Besucher zählt gerade einmal fünf Monate: Benny (28) und Martina (29) aus Griesheim haben Sohn Nils dabei - ganz stilecht in einem winzigen ,,AC/DC"-Shirt. Der Kleine lässt sich vom Open-Air-Trubel wenig beeindrucken und schläft mit seinen Ohrenstöpseln selig im Schatten.

Bis spät in die Nacht lauschte das begeisterte Publikum den harten Klängen.

Vor der Bühne sieht es mitunter halsbrecherisch aus: Die ,,Wall of Death" (das Publikum teilt sich dabei in zwei Seiten und stürmt dann aufeinander los) oder der ,,Circle Pit" (schnelles, kollektives Rennen in einem großen Kreis) sind aber für die Beteiligten mehr Gaudi als tatsächlich gefährlich.

Nach einer kurzen Nacht herrscht auf dem mit Zelten gepflasterten Campingplatz am Samstag gut gelaunte Katerstimmung. Viele gehen erstmal auf Beutezug in die umliegenden Einkaufsmärkte. Bei der Auswahl der Verpflegung beschränkt man sich auf das Wesentliche: Dosenravioli und Bier oder Wasser reichen vielen.

Wasserpistolen, Bälle, pinke Zauberstäbe oder komische Hüte landen ebenfalls im ein oder anderen Einkaufswagen. Was unverzichtbar sei, um so ein Festival zu überstehen: ,,Deo", lacht Benjamin (17) aus Georgenhausen, der zum Campingvolk gehört. Um mitzufeiern müsse man flexibel sein: Wenn die Zeltnachbarn etwa nachts noch das Grölen anfangen, ,,das muss man alles mit Humor nehmen." Und spätestens als sich am Samstagabend bei der österreichischen Ska-Combo ,,Russkaja" Jugendliche und Eltern gleichermaßen zum Tanzen animiert fühlen, zeigt sich: dieser ,,Stau" macht allen einfach nur Spaß.

(Corinna Kern)