Quelle: Darmstädter Echo, 21.07.08

Mit Bläsern und Computer

Open Air: Festival-Gelände wird zur riesigen Disco: Besucherrekord bei der jüngsten Auflage des Dieburger „Traffic Jam“

DIEBURG. Erneut konnte in diesem Jahr das zweitägige Open-Air-Rockfestival „Traffic Jam“ vor Dieburgs Toren wieder Besucherrekorde vermelden. An beiden Tagen strömten rund 3500 Zuschauer auf den Fahrschulübungsplatz Völker, wo sich schon 2000 jugendliche Camper auf zwei Zeltplätzen verteilten. Die Supermärkte im umliegenden Industriegebiet dürften wieder Rekordumsätze an Alkoholika verbucht haben, obwohl das Festival sowohl die moderaten Eintritts- als auch die Getränkepreise dem kleinen Geldbeutel des Zielpublikums angepasst hatte. Selbst ein wohl obligatorischer Regenschauer am Samstagabend schreckte die feierwilligen Rockfans letztlich nicht ab.

„10 Years of Rock’n’Roll“ hieß das Motto der Jubiläumsveranstaltung. Angesichts eines Schwerpunktes an Hardcore und Metal war diese Maxime eigentlich nicht ganz korrekt, denn traditionelle Rockbands befanden sich im Programm eigentlich in der Minderheit. So lieferten „Bitune“ am Freitagabend einen druckvollen Set zwischen Grunge und Siebziger-Rock mit Anklängen etwa an „Foreigner“. Damit konnten die ebenso regelmäßig in England tourenden Eschweger allerdings nur wenige Anhänger vor die Bühne locken. Bei zwanzig Bands erhalten eben nicht alle Interpreten die Aufmerksamkeit, die man ihnen wünscht.

Ohnehin bevorzugte die Mehrzahl des Publikums Death-Metal-Acts wie „Soilwork“, die mit einer martialischen Show die Massen zum Toben brachte. Ihre ruppigen Riffs bei steten Tempowechseln verstärkten die Schweden mit elektronischen Beats, um ihren Titeln einen melodischen Anstrich zu verleihen. Dieses Stilmittel verwendeten mehrere Bands, etwa die Aschaffenburger Formation „Illectronic Rock“. Durch Synthesizer-Einsatz klangen die einzigen Vertreter der Gothic-Rock-Richtung weniger düster und erinnerten an frühe Aufnahmen der finnischen Band „Him“.

Sieht man von der jungen Punkband „The Real McCoy“ ab, die ihren Partysound durch Bläsereinlagen auffrischte, zählte „Welle: Erdball“ zu den ungewöhnlichsten Künstlern des diesjährigen „Traffic Jam“. Dass die Elektro-Waver manche Fans motiviert hatten, ließ sich schon an den Commodore-C-64-Computern absehen, die das Auditorium über den Köpfen schwenkte. Den aus der Mode gekommenen Synthesizer versteht die Hannoveraner Retro-Band, die ihre Anreden stets mit „Meine Damen und Herren“ beginnt, als fünftes Bandmitglied. Stets wurden die beiden Musiker mit hellblauen Sonnenbrillen, schwarzen Anzügen und Handschuhen von zwei Sängerinnen im Domina-Look aus schwarzen Lederkostüm und hellen Perücken flankiert. Mit Texten zwischen Kritik an Aufrüstung und Überwachungsstaat sowie ins Derbe umschlagender Schlagerlyrik verwandelten die tanzbaren Rhythmen des Quartetts das Festivalgelände bald in eine Großraumdisco.

Dass die vom Publikum geforderte Zugabe nicht gegeben werden konnte, zeigt wieder einmal den Nachteil eines rigiden, streng eingehaltenen Zeitplans. Aber da „Welle: Erdball“ am 2. Oktober erneut im Rüsselsheimer „Rind“ auftreten werden, lässt sich dies dort bestimmt nachholen.

(Gregor Ries)

DIEBURG. Erneut konnte in diesem Jahr das zweitägige Open-Air-Rockfestival „Traffic Jam“ vor Dieburgs Toren wieder Besucherrekorde vermelden. An beiden Tagen strömten rund 3500 Zuschauer auf den Fahrschulübungsplatz Völker, wo sich schon 2000 jugendliche Camper auf zwei Zeltplätzen verteilten. Die Supermärkte im umliegenden Industriegebiet dürften wieder Rekordumsätze an Alkoholika verbucht haben, obwohl das Festival sowohl die moderaten Eintritts- als auch die Getränkepreise dem kleinen Geldbeutel des Zielpublikums angepasst hatte. Selbst ein wohl obligatorischer Regenschauer am Samstagabend schreckte die feierwilligen Rockfans letztlich nicht ab.

„10 Years of Rock’n’Roll“ hieß das Motto der Jubiläumsveranstaltung. Angesichts eines Schwerpunktes an Hardcore und Metal war diese Maxime eigentlich nicht ganz korrekt, denn traditionelle Rockbands befanden sich im Programm eigentlich in der Minderheit. So lieferten „Bitune“ am Freitagabend einen druckvollen Set zwischen Grunge und Siebziger-Rock mit Anklängen etwa an „Foreigner“. Damit konnten die ebenso regelmäßig in England tourenden Eschweger allerdings nur wenige Anhänger vor die Bühne locken. Bei zwanzig Bands erhalten eben nicht alle Interpreten die Aufmerksamkeit, die man ihnen wünscht.

Ohnehin bevorzugte die Mehrzahl des Publikums Death-Metal-Acts wie „Soilwork“, die mit einer martialischen Show die Massen zum Toben brachte. Ihre ruppigen Riffs bei steten Tempowechseln verstärkten die Schweden mit elektronischen Beats, um ihren Titeln einen melodischen Anstrich zu verleihen. Dieses Stilmittel verwendeten mehrere Bands, etwa die Aschaffenburger Formation „Illectronic Rock“. Durch Synthesizer-Einsatz klangen die einzigen Vertreter der Gothic-Rock-Richtung weniger düster und erinnerten an frühe Aufnahmen der finnischen Band „Him“.

Sieht man von der jungen Punkband „The Real McCoy“ ab, die ihren Partysound durch Bläsereinlagen auffrischte, zählte „Welle: Erdball“ zu den ungewöhnlichsten Künstlern des diesjährigen „Traffic Jam“. Dass die Elektro-Waver manche Fans motiviert hatten, ließ sich schon an den Commodore-C-64-Computern absehen, die das Auditorium über den Köpfen schwenkte. Den aus der Mode gekommenen Synthesizer versteht die Hannoveraner Retro-Band, die ihre Anreden stets mit „Meine Damen und Herren“ beginnt, als fünftes Bandmitglied. Stets wurden die beiden Musiker mit hellblauen Sonnenbrillen, schwarzen Anzügen und Handschuhen von zwei Sängerinnen im Domina-Look aus schwarzen Lederkostüm und hellen Perücken flankiert. Mit Texten zwischen Kritik an Aufrüstung und Überwachungsstaat sowie ins Derbe umschlagender Schlagerlyrik verwandelten die tanzbaren Rhythmen des Quartetts das Festivalgelände bald in eine Großraumdisco.

Dass die vom Publikum geforderte Zugabe nicht gegeben werden konnte, zeigt wieder einmal den Nachteil eines rigiden, streng eingehaltenen Zeitplans. Aber da „Welle: Erdball“ am 2. Oktober erneut im Rüsselsheimer „Rind“ auftreten werden, lässt sich dies dort bestimmt nachholen.