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Quelle: Darmstädter Echo, 30.07.07
Vater und Sohn rocken beim Festival
Musik-Open-Air - "Traffic Jam" lockt bei wechselhaftem Wetter gut 3000 Gäste nach Dieburg - Schauer vertreibt Camper
Dieburg. Als zweitägiges Fest für Rockmusik- und Open-Air-Fans präsentierte sich das Dieburger "Traffic Jam", das zu den größten Veranstaltungen dieser Art im Rhein-Main-Gebiet gehört. Mehr als 3000 Besucher kamen nach Angaben der Ausrichter auf den Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker, wovon etwa 1500 Camper auf dem abgegrenzten Zeltplatz unterkamen.
Wie schon beim Rüsselsheimer Open-Air "Phono Pop" am Wochenende zuvor hatten die Dieburger in Sachen Wetter reichlich Glück, wobei Regenschauer am frühen Samstag manchen Zeltplatzbewohner zur vorzeitigen Abreise drängten. "Mensch, ist doch nur Wasser", kommentierte ein unerschrockener Camper deren frühen Abschied.
Ohnehin war für viele Jugendliche das Zelten ein entscheidender Grund, von überall aus der Region die Fahrt zum "Traffic Jam" anzutreten. Mit Freunden nächtelang Partys feiern, zu grillen und im Freien zu übernachten, dürfte für manchen ein gewichtigerer Anlass als die Musikauswahl sein.
Schon am Freitagnachmittag war auf dem Zeltgelände kaum noch ein freier Platz zu finden. Am nächsten Tag türmten sich Bierfässer vor den Zelten. Überhaupt gehörte der Müll nicht allein im Campingbereich, sondern rund um das Festivalgelände zu den negativen Begleitumständen der Großveranstaltung. Da mögen die Ausrichter noch so sehr um Sauberkeit bitten. In den Supermärkten im anliegenden Industriegebiet waren jedenfalls gegen Samstagabend die Getränkeregale, besonders die Bierdosenpaletten, weitgehend leergeräumt.
Legte das Rüsselsheimer "Phono Pop" seinen Schwerpunkt auf deutschen Gitarrenrockpop, herrschte beim "Traffic Jam" mit Schwerpunkt Heavy Metal, Hardcore und Punk eine härtere Gangart vor. Entsprechend jünger, von 15 bis Ende Zwanzig, setzte sich das Publikum zusammen.
Schon am frühen Freitag zogen die Rockfans in Scharen zum Festivalgelände, gekleidet in schwarzen Kutten, teils im Bademantel und kurzen Hosen oder in schwarzen T-Shirts mit markigen Parolen. Dabei wurden sie etwas misstrauisch von den Arbeitern beobachtet, die im nahen Schnellimbiss ihre Zwischenmahlzeit einlegten.
Zu den treuen Festivalgängern gehören Ruth und Maggie. Da sie keinen Zeltplatz mehr fanden, zogen es die beiden vor, im Auto zu übernachten. Während Ruth aus Erzhausen ihrem bunten Haarschnitt entsprechend mehr Punkmusik erwartet hätte, sagten ihrer Darmstädter Freundin die Hardcorebands durchaus zu.
An der starken Ausrichtung auf Heavy Metal störte sich dagegen der Weiterstädter T-Shirt- und CD-Verkäufer Jan Hartmann, der zuvor schon in Rüsselsheim vertreten war. "Ich habe mit mehr Umsatz gerechnet. Aber hier sind zu viele Punks. Wenn die hören, dass ein Shirt über zehn Euro kostet, winken sie gleich ab." Zu seinen Favoriten gehörten die Freitagsheadliner "Gods of Blitz" aus Berlin sowie die Garagenbands "Pillow Fight Club" und "Pristine".
Mit scheppernden und knarzenden Gitarren konnte die tourfreudige Neu Isenburger Formation "Pillow Fight Club" am frühen Freitagabend zahlreiche Fans motivieren. Dagegen hatte es die vergleichbare Girlband "Pristine" am nächsten Tag schon schwerer. Ganz im Sechziger-Jahre-Stil traten die vier jungen Mädchen, die sich auf Fotos in Agentenfilmmanier in Pose setzten, in schwarzweißen Kleidern auf und reicherten ihren Garagenbeat mit Orgelklängen an.
Zu den wenigen, die sich fast alle zwanzig Gruppen anhörten, zählt der 39-jährige Familienvater Karl-Heinz aus Erlensee. Als Begleitung seines 14 Jahre alten Sohns, dem er das Festivalticket zur Konfirmation schenkte, konnte der Rockfan zwar nicht mit jeder Band etwas anfangen. Unter dem Strich war er von der Veranstaltung aber begeistert. Zu seinen Favoriten zählten "The Smu" mit Siebziger-Discorock, die am frühen Freitag nur wenige Zuhörer anzogen, und "Ragin Diararrhea". Die sechsköpfige Band lieferte eine mitreißende Show aus Rock, Ska und Reggae. Gerade bei ihrem Auftritt oder bei "Pillow Fight Club" war es bedauerlich, dass aufgrund des strikten Zeitkonzepts keine geforderte Zugabe erlaubt war.
Fast die größte Publikumsresonanz erfuhren "Fiddlers Green" aus Erlangen, deren irisch angehauchter Folkrock ebenso ältere Zuschauer anlockte. Vielleicht sollte die perfekt organisierte Veranstaltung künftig etwas weniger als zwanzig Bands einladen und den Künstlern dafür die Gelegenheit für eine Zugabe geben.
Gregor Ries