Quelle: Darmstädter Echo, 31.07.06

Hart im Stau

Rock: Rund 4000 Zuschauer feiern 20 Band beim achten Festival „Traffic Jam“ in Dieburg

DIEBURG. Einen Stau in der Entwicklung des Festivals gab es sicher nicht: 1999 als Geburtstagsfeier ins Leben gerufen, ist aus „Traffic Jam“ (Verkehrsstau) längst ein professionell organisiertes Musikspektakel geworden. Zwanzig Bands verschiedener Genres der härteren Gangart waren für die achte Auflage am Freitag und Samstag gebucht – neben Neulingen auch einige internationale Topgruppen. Verbunden mit der fairen Preispolitik, buntem Rahmenangebot und nicht zuletzt anhaltend schönem Wetter zog es etwa 4000 Gäste an, so Sven Varelmann vom veranstaltenden Verein Schallmauer.

Ein großer Teil davon war bereits am frühen Freitagnachmittag auf dem Gelände, lauschte den ersten Bands, bestaunte die BMX-Show, saß im Shisha-Zelt oder flanierte an den zahlreichen Ständen. Stau gab es infolgedessen auf dem Camping-Areal, das aus allen Nähten zu platzen schien. Kurz vor fünf Uhr wurde es laut vor der Bühne: Pornophonique erheiterte das Publikum durch die Mischung aus Lagerfeuer-Romantik mit Akustikgitarre, fiependen Gameboy-Sounds und Ohrwurm-Refrains. Auch die nachfolgenden Bands fanden ihre Fans: Die grünhaarige Anna hatte den weiten Weg aus Friedberg wegen Casketnail angetreten, denn „die haben seit fast vier Monaten nicht mehr live gespielt und rocken ohne Ende.“

Nachdem Smoke Blow aus Kiel die Menge mit Garagen-Rock und Hardcore ins Schwitzen gebracht und Caliban ein Trommel- und Gitarrengewitter mit heiserem Pressgesang aufgeführt hatten, betrat die Hauptband des ersten Abends die Bühne: Das Quintett Ignite aus den Vereinigten Staaten zählt seit über zehn Jahren zu den renommiertesten Melody-Punk-Bands und hatte für das „Traffic Jam“ seine Tournee um eine Woche verlängert. Mit einer energiegeladenen Show und dem U2-Klassiker „Sunday Bloody Sunday“ entließen sie die Zuhörer in die Zelte oder zur Aftershow-Party bis in den frühen Morgen.

Den ersten musikalischen Höhepunkt des Samstags markierte der Bonner Liedermacher Götz Widmann mit seinen leidenschaftlichen, humorvollen Texten, die rege vom Publikum mitgesungen wurden. The Briggs sorgten mit krachendem Oi-Punk für Pogo-Tänze vor der Bühne, die am späten Abend bei den Real McKenzies noch intensiver wurden. Die wie üblich in Kilts gewandeten Schotten lieferten – diesmal ohne ihren Dudelsackspieler – ein Punkrock-Feuerwerk ab, das die Fans begeisterte. Den Schlusspunkt setzten Hatesphere mit kompromisslosem Trashmetal.

Heiko Weigelt