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Quelle: Darmstädter Echo, 31.07.05
Karibik auf dem Verkehrsübungsplatz
Festival: Unter professionellen Bedingungen Musik machen
DIEBURG. „Dieses Jahr hatten wir etwa 600 Bewerbungen“, sagt Alexander Look. „Jeder aus unserem zehnköpfigen Organisationsteam hat deshalb ein paar Demo-Bänder mit nach Hause genommen, sich die Musik angehört und seine Favoriten rausgesucht. Dann haben wir gemeinsam entschieden, wer bei uns auftreten darf.“
Look ist einer der Organisatoren des „Traffic Jam Open Air“. Dieses größte Nachwuchs-Musikfestival der Region hat mit seinen 20 Bands am Freitag und Samstag auf dem Verkehrsübungsplatz in Dieburg rund 3000 Musikfans begeistert.
Das „Traffic Jam Open Air“ ist beliebt bei jungen Bands, denn in Dieburg können sie unter professionellen Bedingungen und vor vielen Zuhörern Musik machen. Die Musikrichtungen reichen von Crossover über Hardcore und Metal-Core bis zu Rockabilly Punk und Punk-Rock.
„Ein ehrlicher, handgemachter Mix aus allen Bereichen der härteren Rockmusik,“ sagen die Festival-Macher. Zum siebten Mal haben sie ihr Festival organisiert, das als private Geburtstagsfeier begann. Ein dreiviertel Jahr hat die Vorbereitung diesmal gedauert.
Viele Besucher haben Zelte und Schlafsäcke mitgebracht, um am Rande des Festivals zu übernachten. „Für die Zelte muss natürlich genug Platz vorhanden sein, außerdem sind ausreichend Toiletten erforderlich“, sagen die Veranstalter.
Am wichtigsten bleibt jedoch die Musik. In diesem Jahr ist die Bühne erstmals von einem Verleih geliefert worden. „Früher war das eher Marke Eigenbau“, sagt Look und lacht. „Aber damals konnten wir die ganze Organisation auch noch in der Freizeit erledigen, heute ist das praktisch ein Vollzeitjob, neben Studium und Beruf kaum zu schaffen.“
Die Musikauswahl habe sehr viel Zeit in Anspruch genommen. „Besonders wichtig ist uns, dass wir Nachwuchs-Bands aus der Region vorstellen können. Für sie soll das Ganze hier als Sprungbrett dienen.“
Doch damit diese Bands vor zahlreichen Zuhörern spielen können, „müssen auch ein paar bekannte ‚Zugpferde‘ eingeladen werden“, sagt Look. Die Punkrocker „The Wohlstandskinder“ aus Köln, die dieses Mal dabei waren, sind solche Zugpferde ebenso wie die Crossover-Band „4LYN“ aus Hamburg.
Carmen, deren Haare genauso pinkfarben leuchten wie ihre Fingernägel, ist ein großer Fan der „Wohlstandskinder“. „Vor allem der Sänger ist total süß,“ sagt sie.
Für viele andere Besucher zählt jedoch vor allem die Musik: Andre und Nadine sind wegen „4LYN“ aus Magdeburg angereist. An beiden Tagen treten in Dieburg die Bands bis spät in die Nacht hinein auf, die Festivalbesucher tanzen, reden oder hören einfach nur zu. Und die Organisatoren sind sich sicher, dass „für jeden Rockgeschmack etwas dabei“ ist.
Die Jungs von der Band „The Capones“ beispielsweise: Sie tragen bei ihrem Auftritt am Samstag weiße Anzüge und spielen auf Instrumenten, die an eine Jazzcombo erinnern. Trompete, Saxofon und Bongorhythmen lassen die Musik der „Capones“ zentralamerikanisch klingen: Caribbean-Ska nennt sich ihr Stil, der ins Ohr und in die Beine geht.
Sonja Joordans