Quelle: Darmstädter Echo, 25.07.04

Schwarze T-Shirts, grüne Bierflaschen

Zweitägiges Treffen der Post-Punk-Generation bei harter Musik und kleinen Preisen

DIEBURG. Ein Schlagzeuger hämmert harte Beats. Der Klang bricht sich an den Mauern der Gebäude im Dieburger Gewerbegebiet am Bauhof. Die Straßenränder sind zugeparkt.

Auf der Straße sitzen Grüppchen junger Leute. Ein Schild weist auf den Eingang zum „Traffic- Jam"-Gelände. Dort läuft seit Freitag ein Musikfestival der anderen Art.

Aus Hanau kommen die Besucher, aus Frankfurt, aus den Kreisen Offenbach, Groß-Gerau, Aschaffenburg, aus dem Odenwald, Darmstadt, und natürlich aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg – das verraten die Nummernschilder. Bei den Autos handelt es sich meist um etwas ältere Modelle der unteren Mittelklasse – der typische fahrbare Untersatz, wenn man noch am Anfang des Berufslebens steht.

Die Namen der Bands, die auf dem Übungsplatz einer Fahrschule auftreten, sind etwas für Insider. Gestern hat „Ironcow“ das Programm eröffnet, heute werden die „Heideroosjes“ es beschließen.

Die sind für Lutz aus Darmstadt der Hauptgrund gewesen, heute nach Dieburg zu kommen. Er sitzt mit dem Rücken an sein Auto gelehnt. „Damit fahre ich aber heute nicht mehr“, versichert er. Neben ihm steht eine grüne Bierflasche.

Dass sich Grüppchen vor dem Festival-Gelände niederlassen, hat nicht zuletzt den Verzehr selbst mitgebrachter Getränke zum Zweck. An der Kasse heißt es nämlich: „Kein Alkohol auf das Gelände!“ Oder: „Bitte keine Glasflaschen!“ Das findet Norbert aus dem Taunus scheinheilig, denn drinnen werde das Bier in Glasflaschen verkauft.

Hinter der Bühne ist am Sonntag eine große Zeltstadt entstanden. Am Abend und in der Nacht hatten die Musik-Camper mit dem Regen zu kämpfen. Nun scheint die Sonne und die Klamotten sind wieder trocken.

Auch hier drinnen auf dem Festivalgelände sitzen Grüppchen auf dem Boden. Gerade ist Umbau-Pause, aber es ist nicht wirklich Pause, denn das Schlagzeug-Stakkato begleitet halsbrecherische Kunststückchen von BMX-Radlern.

Nur entfernt erinnert das alles an Woodstock. „Flower-Power“ ist hier jedenfalls nicht angesagt, und Buntes eher verpönt. Die Hose in Armee-Tarnfarben, das T-Shirt schwarz, ein Ring in der Augenbraue, drei im Ohrläppchen und ein Stecker in der Nase, ein großes Tattoo auf dem Oberarm und in der Hand eine grüne Bierflasche – so sieht die Mode der Post-Punk-Generation aus, die sich hier ein Stelldichein gibt.

Auch die Musik ist anders. Nach den BMX-Radlern legt „Junkhead“ aus Frankfurt auf der Bühne los: schnell, metallisch, laut. Es dauert nicht lange, bis sich vor der Bühne eine kleine „Pogo"-Runde bildet.

Das gegenseitige Anrempeln gehört zur Choreografie. Doch als Punk und Pogo die Szene eroberten, waren die meisten der hier versammelten Tänzer wohl noch gar nicht auf der Welt.

Eine junge Mutter, in ungewöhnlich helle Farben gekleidet, hält ihrem Säugling die Ohren zu. Vor der Bühne und auch noch zwei Dutzend Meter davon entfernt ist jedes Gespräch unmöglich. Mitten im Pogo-Gewühl zeigen zwei junge Frauen bauchtanz-ähnliche Figuren, die in ihrer Sanftheit so gar nicht zu dem passen, was „Junkhead“ auf der Bühne abliefert.

Karim aus Darmstadt ist bekennender Punk-Fan und mit dem Musikprogramm des „Traffic Jam“ nicht ganz glücklich. Er hat hier „richtigen Punk“ gesucht. Generell ist er sich aber mit Sabine aus Aschaffenburg einig: „Das Festival ist eine gute Sache.“

Sieben Euro pro Tag, dafür am Freitag neun, am Samstag sogar zehn Bands – ein fast unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. „Und dafür bekommen wir heute sogar noch die Heideroosjes“, freut sich Lutz. Das Festival in Dieburg ist damit das wohl größte seiner Art in der Region.