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Quelle: Darmstädter Echo, 28.07.03
Open-Air lockt 2000 junge Gäste an
Jugend - Aus einer privaten Party heraus ist in Dieburg ein zweitägiges Musikfestival für die ganze Region entstanden
Dieburg. "Guten Morgen" ruft der junge Sänger der Heavy-Metal-Gruppe "Dritte Wahl" seinem gleichaltrigen, erwartungsvollen Publikum zu: Es ist Samstagabend, kurz nach Mitternacht. "Dritte Wahl" heizen den knapp 1000 Gästen mit deutschen Texten, schneller Gitarre und dröhnendem Bass noch einmal kräftig ein. In den Türmen hoch oben, links und rechts der Bühne, schicken derweil zwei Feuerschlucker meterlange Stichflammen in den warmen Sommerhimmel.
Während dessen atmet Alexander Look (22) hinter der großen Profibühne erstmals auf. "Jetzt ist alles geschafft, und es hat prima geklappt. Ich bin nur noch glücklich." Wochenlang hatte er mit neun Freunden dieses fünfte Dieburger Rockfestival vorbereitet. Draußen im Industriegebiet in Richtung Münster, auf dem Gelände einer Fahrschule, auf dem großen Rasen zwischen Verkehrsschleifen, hat das Fest einen guten Platz gefunden. Um 1 Uhr in der Nacht hört die letzte Band auf zu spielen, gibt's nur noch leise CD-Musik - eine Forderung der Stadt Dieburg.
Etliche junge Leute haben fürs Wochenende ihre Zelte aufgeschlagen, campen in Sichtweite zur Bühne. Doch wie kommt ein Rockfestival auf einen Fahrschul-Übungsplatz? Alexander Look kennt die Geschichte, ist er doch von Anfang an dabei:
"1999 hat es angefangen. Ein paar Kumpels feierten Geburtstag, luden einige Bands ein. Ein Freund, der Vater hat die Fahrschule, bot hierfür sein Gelände an. In einem Bundeswehrzelt ging's los. Und schon waren 300 Leute da. Es wurde eine riesige Party. "Hey, so 'was könnte man doch regelmäßig machen!", dachten wir uns. Also zimmerten wir uns im nächsten Jahr selbst eine Bühne, kopierten Handzettel, schnitten Hunderte davon aus und verteilten sie. Wir, das sind junge Leute aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg, inzwischen 19 bis 25 Jahre alt; Schüler, Studenten, Lehrlinge." Was als riesige Party begann, hat sich zu einem beliebten Open-air-Festival entwickelt. Viele ehrenamtliche Helfer - auch vom Jugendzentrumteam Münster - sind hierfür aktiv: an den Essens- und Getränkeständen, für den Auf- und Abbau und als Sicherheitsdienst. Die friedliche, entspannte Atmosphäre dieses Musiktreffens macht es den Kontrolleuren leicht. Selbst die Sanitäter der Johanniter aus Nieder-Roden haben so gut wie nichts zu tun: keine Schlägereien an beiden Tagen, keine Alkoholschäden oder Pillenopfer. Um all das auf die Beine zu stellen, mussten die zehn jungen Veranstalter nicht nur monatelang planen, Kontakt zu 400 Newcomerbands aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ländern aufnehmen; sie haben auch viel Geld investiert. "Und sollte eventuell etwas übrig bleiben, fließt alles in die Veranstaltung im nächsten Jahr", schildert Organisator und Informatikstudent Alexander Look. Warum engagieren sich die jungen Leute derart? "Es gibt viele Musikveranstaltungen. Wir wollen einfach 'was auf die Beine stellen, was nicht kommerziell ist."