Quelle: Darmstädter Echo, 18.06.02

Härter, Lauter

Open Air - Die Band Peremptory Order mit neuem Gitarristen auf dem Dieburger Festival "Traffic Jam", das professioneller geworden ist.

DIEBURG (C. Neubauer). Im Zelt hinter der Bühne steht ein Tisch voller Bierflaschen und Papptellern mit Ketchupresten, daneben Käseplatten, Wurst, Brötchen. Im Backstagebereich können sich die 18 Bands des Open-Air-Festivals „Traffic Jam“ am Wochenende auf dem Übungsplatz der Fahrschule Völker in Dieburg vor dem Auftritt stärken.

Sie sind aus 400 Bewerbern ausgewählt worden, dort zu spielen. Bands aus der Umgebung hatten bei der Auswahl Vorrang – eine davon ist Peremptory Order (zu Deutsch: kategorische Ordnung), kurz P. O., aus Münster.

Sie stellten am Samstag ihr neues Album „Rock Star“ vor. Es ist ein besonderer Auftritt: der erste nach dem Unfalltod ihres Gitarristen Mario Löbig. Und der erste mit dessen Nachfolger Michael Ulzheimer, Ex-Gitarrist von Blind Date. „Wir sind noch härter geworden“, sagt der Bassist Sascha Sattler, „das hat aber nichts mit dem Tod zu tun.“ Das Cover der neuen Platte zeigt Anil D’Souza (drums), Markus Hofmann (guitar), André Grohe (vocals) und Sascha Sattler (bass). Auf der Rückseite ist Mario Löbig abgebildet. Die Texte handeln vom Glauben an sich selbst und zwischenmenschlichen Beziehungen.

Draußen auf dem Platz vor der Bühne ist noch nicht viel los. Jugendliche mit langen Haaren und Piercings, viele in schwarzen T-Shirts mit Schriftzügen bekannter Bands wie „Metallica“. Einige der Besucher haben ihre Zelte aufgeschlagen und bleiben über Nacht. Philipp (19) aus Eppertshausen ist „wegen P. O. da, weil P. O. saugut ist“. Eine Gruppe kommt wegen der Band „Planlos“ sogar aus Stuttgart.

„Gestern war hier mehr los. Das Wetter ist nicht so gut und es ist noch früh“, berichtet Alexander Look. Der Zwanzigjährige gehört zu dem Organisationsteam des Festivals. Als vor vier Jahren eine private Geburtstagsparty von ein paar Freunden „ein bisschen größer ausfiel“, kam die Idee für das „Traffic Jam“ auf. Für Bands aus der Region sollte eine Auftrittsgelegenheit geschaffen werden. Die erste Bühne war in einem Bundeswehrzelt, „da ist das Wasser vom Dach nicht abgelaufen“, erinnert sich Look.

Heute sieht alles professioneller aus: Bauzäune, eine große Bühne mit guter Musikanlage und Liveübertragung mit vier Kameras ins Internet. Es sei keine kommerzielle Veranstaltung, die neun Organisatoren verdienen nach eigenen Angaben nichts daran, ebenso die Musiker und Techniker. „Da braucht man Leute, die mitmachen“, sagt Look.

Jetzt ist Peremptory Order dran. Laut sind sie, alles vibriert. „There’s a reason to be there“, ist alles, was man vom Text versteht. Aber das ist nicht entscheidend. André, der Leader, reißt sich das T-Shirt vom Körper. „Wieder zurück, lauter als jemals zuvor“, ruft er dem Publikum atemlos zu. Da kommt Bewegung in die Menge. „Die Jungs sind gut drauf“, hört man einen Fan im Publikum. An Mario erinnert das große Foto der Gruppe am Rand der Bühne und natürlich die Musik.