Quelle: http://www.wallsoffire.de, 23.06.01

Livebericht - "Traffic Jam Open Air Dieburg"

Seit drei Jahren gibt es das Traffic Jam Open Air in Dieburg (Raum Darmstadt). Damals als Geburstagsparty mit ein paar befreundeten Schülerbands begonnen, hat es sich mittlerweile zu einem gut organisierten Underground-Festival gemausert. Am Freitag und Samstag rockten etliche, bunt gemischte lokale und regionale Underground-Bands. So gab es vom Punk und Gothic über New-Metal bishin zu Death-Metal ein abwechslungsreiches Programm. Und als Headliner konnte man die wohl bekannteste Band des Darmstädter Raums gewinnen: Deutschlands vermeintlich beste Death-Metal-Kapelle Disbelief. Leider war es mir persönlich nicht möglich, während des ganzen Festivals anwesend zu sein. Nur am Samstag konnte ich ein paar Bands ansehen. Von hier aus, ein grosses „Tschuldigung“ an all die Bands, die ich verpasst hab und leider nicht in diesem Bericht berücksichtigen kann. Viel konnte ich am Freitag aber nicht verpasst haben, da die Polizei dem Abend ein jähes Ende gesetzt haben soll. Die Anwohner hätten sich über den Lärm beschwert. So mussten am Samstag dann Einbußen in Sachen Lautstärke (geht's nicht noch ein bisschen lauter?) und Spielzeit hinnehmen. Geplant war, dass Disbelief um 1.00 Uhr die Bühne entern sollten. Doch nach den Problemen mit der Staatsgewalt musste bis 0.45 Uhr alles über die Bühne gegangen sein. Hätte ich das gewusst, hätte ich sicherlich probiert, noch etwas früher zu kommen.

Als ich dann am Samstag abend auf dem Gelände erschien, spielten gerade Eternity. Eine junge Band, die offensichtlich von nordeuropäischen Düsterbands beeinflusst ist. Sie klangen wie eine Mischung aus Nightwish, Dismal Euphony und Theatre Of Tragedy. Recht zurückhaltend präsentierten sich die Fünf allerdings. Nicht nur im Bewegungsradius sondern auch die Sängerin klang irgendwie unentschlossen. Der Gitarrist indes zeigte, dass er wirklich talentiert ist und setzte mit seinen Soli die Höhepunkte in den ansonsten etwas blutarmen und kraftlosen Songs. Für den Lacher des Tages hat er auch gesorgt, als er während des letzten Liedes plötzlich rückwärts umfiel. Optisch aufgewertet wurde der Auftritt durch den Einsatz zweier Feuerspucker. Hätte die Band doch etwas mehr Feuer gehabt...

Danach kamen Presskopp aus Frankfurt. Der ebenfalls noch sehr junge Fünfer bot aggressiven, hardcorelastigen New-Metal der im Gewässer von Korn (gerade in der Bassarbeit), Machine Head und Earth Crisis lag. Dass man dabei ziemlich evil sein kann, zeigte der Gitarrist, der mit Corpsepaint auf der Bühne erschien und ein böses Mienenspiel abzog. Nun ja, wenigstens war der agilste Musiker der Band mit der besten Liveperfomance der Frankfurter. Auch wenn er beim Singen des Fear Factory Covers "Replica" etwas schwachbrüstig war. Er konnte die Shouts nicht halten und auch bei den melodischen Parts klang das Ganze nicht so besonders. Ansonsten machte aber der standesgemässe Shouter eine gute Figur. Die Songs klangen zwar irgendwie alle recht gleich, hatten aber viel Druck. Nach zwei Coverversionen von Fear Factory und Entombed war Schluss.

Deepak hiess der nächste Act. Und darauf hatten sich anscheinend viele der wenigen Anwesenden gefreut. Denn die Stimmung wurde urplötzlich richtig gut. Das lag aber auch an der Band selbst, die einen guten Auftritt boten. Viel Bewegung war auf der Bühne jetzt zu sehen. Sänger Björn und Bassist Michael hatten scheinbar Hummeln im Arsch und waren ständig in Bewegung. Sehr professionelles Stageacting einer jungen Band. Musikalisch hat Deepak eine ansprechende Mischung auf psychadelischen und aggressiven Parts, mit viel Laut-Leise-Dynamik zu bieten. Vergleichbar mit Korn und System Of A Down. Die eingeflochtenen hypnotischen Parts erinnern entfernt an Tool. Die Musik lebt von der nahezu theatralischen Vokalinstrumentierung von Sänger Björn Rückert. Während des Deepak-Gigs liess sich das Traffic Jam Team nicht lumpen, und stellte 4 Kästen Freibier, die in Rekordzeit unters Volk gebracht waren. Tja, wenn's nix kostet... Ein guten Eindruck hinterliess der Vierer bei mir, auch wenn die Songs sich ähnelten. Beim Publikum kam Deepak auch gut an, den sie wurden erst nach einer vehement geforderten Zugabe von der Bühne gelassen.

Um kurz nach halb zwölf kamen dann Disbelief um nochmal richtig Arsch zu treten. Man merkte auch sofort den Unterschied zwischen Disbelief und den anderen Bands vorher. Die Deathsters nutzten ihre ganze Routine, ihre Professionalität aus und zeigten, dass sie eine gute Liveband sind, die sich ihre Sporen schon in Vorprogramm von Bands wie Bolt Thrower oder Dimmu Borgir verdient hat. Mit dem "Outro" als Intro ging es los. Arschtight und mit höllischem Groove, wie man sie eben kennt, metzgerten sie sich durch ihr 45 minütiges Set, dem mit "Humiliation" und "Living Wreck" noch zwei Zugaben folgten. Der Haupteil bestand aus dem letzten Studiokracher "Worst Enemy". "All Or Nothing", "Assasinate The Scars", "Survive" und "Misery" wurden unter anderem daraus gespielt. An älteren Songs war u.a. "Down", "Follow", "God? Master!" und "Infected" zu hören. Die Show lebte einerseits von der gutaufgelegten Band. Jagger bewies, dass er seine andererseits von der guten Lightshow und dem guten Sound, der so richtig, trotz verringerter Lautstärke, in die Magengrube ging. Mit Sicherheit das Highlight des Festivals und ich freue mich schon darauf, mich in einem kleinen Club, vom Disbelief-Sound plattwälzen zu lassen.

Zu früh endete dann das Traffic Jam 2001. Ich ärgerte mich richtig, dass ich nicht mehr gesehen hab, denn das Traffic Jam auf dem Verkehrsübungsplatz in Dieburg ist ein ziemlich gut und professionell organisiertes Festival. Preislich ist das Ganze schon geschenkt. 8 Mark Eintritt an jedem Tag und Zelten für umme. Das Bier,Beck's oder Flens, gab es für schlappe 3 Mark. Besonders die Bühne (17m breit, 6m hoch) und die gute Anlage, die für glasklaren Sound sorgte, beeindrucketen mich schwer. Kompliment an das ganze Traffic Jam Team! Schade nur, das am Samstag relativ wenig Leute den Weg nach Dieburg gefunden hatten. Naja, mit dem With Full Force als Konkurrenz wird es schwer. Aber nächstes Jahr muss ich mir hierfür einfach mehr Zeit nehmen...